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[TEXT] 2015 07 10 - Interview Till, Peter, n-tv.de, Germany
AlonsoДата: Пятница, 10.07.2015, 19:56 | Сообщение # 1
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Sex, Schnaps und Roland Kaiser

Till Lindemann hat sich für kurze Zeit eine künstlerische Pause von Rammstein, Deutschlands lukrativstem musikalischen Exportschlager, gegönnt. Zusammen mit Peter Tägtgren hat er das Projekt Lindemann auf die Beine gestellt. Tägtgren ist in der Metal-Szene als Arbeitstier bekannt. Er gründete die Bands Hypocrisy und Pain und machte sich einen Namen als Produzent von Amon Amarth, Dimmu Borgier, Celtic Frost oder Sabaton. Aus dem zunächst als Bespaßung gedachten Experiment des Duos ist das Album "Skills in Pills" entstanden, das gleich an Nummer eins in den Album-Charts eingestiegen ist. Metallisch-industrieller Sound trifft auf die markante Stimme Lindemanns, der nun auf Englisch singt. Textlich verarbeitet der Rammstein-Frontmann allerlei Obszönitäten, Provokationen und unanständige Wörter. Hinter beiden liegt bereits eine ausgedehnte Promo-Tour rund um die Welt. n-tv.de traf die beiden in Berlin. Lindemann kam mit dem Fahrrad zum Interviewtermin - vorbildlich.

n-tv.de: Wann und wie habt ihr euch kennengelernt?

Peter Tägtgren: Das muss so um 1999 gewesen sein. Ich hielt mich in Stockholm auf, um Pain zu promoten. Rammstein arbeiteten zur selben Zeit an ihrem Mutter-Album. Abends haben wir uns dann immer in Kneipen gesehen. Das ist leicht, weil es nicht so viele Locations gibt, wo die Metal-Kids abhängen.

Till Lindemann: Schließlich hat uns Jocke Skog, der Keyboarder von Clawfinger, gegenseitig bekannt gemacht. Zu dieser Zeit haben wir jede Nacht gesoffen, noch zusammen mit Flake, dem Keyboarder von Rammstein. Einige Zeit später sind Flake und ich wegen zwei Frauen nach Nordschweden gefahren. Wegen der Mädels sind wir dann in einem Bikerclub in eine Schlägerei verwickelt worden. Peter, sein Bruder und noch einige Freunde waren auch in dem Schuppen und sind uns dann zur Hilfe gekommen. Sie kannten die Typen und konnten sie beschwichtigen.

Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her. Seid ihr mittlerweile etwas ruhiger geworden?

Tägtgren: Der Teufel schläft niemals (lacht).

Lindemann: Du hättest mal unsere Gesichter sehen sollen, als wir auf Promotour in Moskau waren. Dann hättest du gewusst, was wir da durchgemacht haben. (Zu Tägtgren) Du hast wie ein Zombie ausgesehen.

Gab's da die ganze Nacht lang Wodka zu trinken?

Tägtgren: Die ganze Nacht? Den ganzen Tag lang.

Lindemann: Wir haben ein paar Stunden geschlafen und dann gab es schon wieder Wein zum Frühstück. Draußen vor dem Hotel haben viele Fans gewartet. Die haben wir dann in unseren Konferenzraum eingeladen und Bier für alle bestellt. Die waren sogar noch dabei, als wir Interviews gegeben haben. Wir mussten dann öfters mal ein bisschen für Ruhe sorgen.

Neulich war ich im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg in einem Plattenladen. Da hat der Kunde vor mir euer Album gekauft und sich mit dem Verkäufer darüber unterhalten. Der sagte: "Ein typischer Lindemann, Rammstein auf Englisch". Was sagt ihr dazu?

(beide lachen laut)

Tägtgren: Oh nein, es ist ein bisschen mehr und ein bisschen weniger als das. Einige Sequenzen und die Gitarren sind Industrial, ganz klar. Wir haben natürlich unser Ding gemacht und ein bisschen herumexperimentiert. Rammstein und Pain liegen nicht so sehr weit auseinander.

Lindemann: Ich glaube nicht, dass man es mit Rammstein vergleichen kann. Es ist mehr Schlager, mehr poppig. Die Gitarren sind softer und nicht so harsch. Hier geht es mehr um Partymachen, die Leute sollen lächeln und Spaß haben. Ich würde es ein Party-Album nennen.

Die Reaktionen darauf waren beeindruckend. Ihr seid gleich auf Platz eins der Album-Charts eingestiegen. Hättet ihr damit gerechnet?

Tägtgren: Es war eine totale Überraschung. Wir hatten zuerst gar nicht daran gedacht, ein Album zu machen. Den ersten Song haben wir dann ins Internet gestellt, um zu sehen, wie die Leute darauf reagieren. Daraufhin haben wir noch mehr Songs aufgenommen und uns gedacht: Vielleicht können wir eine EP rausbringen. Schließlich konnten wir gar nicht mehr damit aufhören zu schreiben, weil wir so viel Spaß hatten.

Till, du bist eher der Gothic-Typ, Peter kommt aus dem Heavy Metal. Hattet ihr beim Komponieren Probleme wegen der unterschiedlichen musikalischen Ausrichtungen?

Tägtgren: Nein, Till musste mich manchmal ein bisschen bei den Gitarren zurückhalten. Doch das hat die ganze Sache dynamischer gemacht.

Lindemann: Nach einem kurzen Intro wollte Peter immer gleich bam, bam, draufhauen. Doch es ist wie mit einem guten Wein: Öffne ihn, lass ihn langsam atmen und trinke ihn erst dann.

Tägtgren: Wenn irgendetwas nicht gepasst hat, haben wir einfach was Neues ausprobiert. Uns sind nie die Ideen ausgegangen.

Till, wie war es denn für dich, in Englisch zu singen?

Lindemann: Das war natürlich ein völlig anderes Gefühl. Nach sechs Alben in Deutsch war es für mich schwer, die Wörter so zu finden, dass sie in den Text passen. Mit der Zeit hat es aber gut geklappt. Zum Beispiel beim Wort "fat". Ich habe eine Dokumentation über extrem dicke Frauen gesehen, die nur noch im Bett liegen und von ihrem Mann gefüttert werden müssen, weil sie sich nicht mehr bewegen können. Irgendwann müssen sie ins Krankenhaus gebracht werden. Weil sie nicht mehr durch eine Tür oder das Fenster passen, gibt es einen Durchbruch und sie werden mit einem Kran aus dem Zimmer gehievt. Da dachte ich mir: Mann, ist die fett. Fat hört sich auch im Englischen gut an. So ist der Song Fat entstanden.

Wie kommst du noch zu Ideen für die Songtexte?

Lindemann: Für den Song Yukon habe ich mich auf einer Kanutour in Kanada inspirieren lassen. Da bin ich mit einem Freund 400 Meilen über den Yukon gefahren. Das hat mich so beeindruckt, dass ich während einer Pause gleich angefangen habe zu schreiben.

Die Texte über Huldigung der Abtreibung oder die expliziten Schilderungen sexueller Praktiken wie etwa Anpinkeln sind nicht jedermanns Sache. Überrascht es euch eigentlich, dass sich die Leute darüber noch aufregen? Popstars wie Lady Gaga oder Miley Cirus spielen in ihren pornografhisch angehauchten Videos mit okkulten Symbolen. Das schauen sich junge Mädchen an. Doch darüber scheint niemand richtig geschockt zu sein.

Tägtgren: Die machen das, weil sie sonst nichts anderes vorzuweisen haben.

Lindemann: Ich denke nicht zu viel darüber nach. Natürlich habe ich Peter gefragt: Können wir das bringen oder sind dann einige Leute angepisst? Ich will eigentlich niemanden mit meinen Texten verletzen. Okay, bei Praise Abort flippen die religiösen oder katholischen Leute aus. Das Lied basiert auf einer wahren Geschichte. Ich habe einen Freund, der hat sieben Kinder. Er ist ein bekannter deutscher Schauspieler. Er ist eigentlich immer pleite, obwohl er genug Geld verdient. Seine Kinder und seine Ex-Frauen saugen ihn förmlich aus. Das ist mein Ansatz: Ich schreibe Texte über das wirkliche Leben. Golden Shower ist eine seltsame Art, Liebe zu machen. Doch diese Sachen existieren, ich erfinde nichts, sondern beschreibe sie. Natürlich benutze ich noch ein wenig schwarzen Humor oder Sarkasmus.

Peter, ich habe gehört, dass du gerne auch Frank Sinatra und Johnny Cash hörst. Für einen Metaller ist das eher ungewöhnlich.

Tägtgren: Ich höre so viele verschiedene Stile. Das hängt immer von meiner Stimmung ab.

Lindemann: Und der von deiner Freundin - wenn du mit den harten Riffs ankommst, ist sie schnell pikiert.

Auf Johnny Cash scheinen sich die Leute mit dem unterschiedlichsten Musikgeschmack verständigen zu können.

Lindemann: Er berührt die Menschen mit seiner Musik. Er hat echte Storys beschrieben, nicht bla bla.

Till, du hast doch mal einen Song für Roland Kaiser geschrieben. Wie ist es denn dazu gekommen?

Lindemann: Ich kenne ihn schon seit einer längeren Zeit. Ich bin auf dem Land in der DDR aufgewachsen. In den Discos haben sie alles zusammengemischt. Da gab es Roland Kaiser und direkt danach ist AC/DC und anschließend Udo Lindenberg gelaufen. Roland Kaiser war für uns Partymusik, wir haben dazu mit den Mädels auf den Tischen getanzt. Deshalb habe ich nur gute Erinnerungen an ihn.

Manchmal möchte ich schon mit dir ...

(Lindemann stimmt in den Song mit ein:... eine Nacht das Wort begehren, buchstabieren...), (zu Tägtgren gewandt: Roland Kaiser ist sehr berühmt in Deutschland.)

Lindemann: Eines Tages habe ich auf einem Demo Texte von Roland Kaiser mit in den Proberaum von Rammstein genommen und den anderen vorgespielt. Einer sagte dann: "Was ist das denn für ein Mist? Versuch das doch lieber an Roland Kaiser zu verkaufen." Zehn Jahre später habe ich ihn nach einem Konzert in Schwerin Backstage besucht. Da sagte er zu mir: "Junge, du musst mir mal einen Text schreiben, du schreibst so gute Texte." Da habe ich kurz überlegt und ihm gesagt: "Ich habe schon einen für dich." Er hat ihn dann so genommen, ohne irgendetwas zu ändern. (das Lied "Ich weiß alles" befindet sich auf Kaisers aktuellem Album Sehlenbahnen, Anm. d. Red.)

Würdest du dich als Fan der Musik von Roland Kaiser bezeichnen?

Lindemann: Das ist vielleicht zu viel gesagt. Ich bin aber ein Fan von ihm. Musik hilft einem oft, auch schlechte Zeiten zu überstehen. Und ich erinnere mich immer gerne an die Zeit zurück in dem Dorf, wo wir seine Musik gehört haben. Ich erinnere mich auch noch an die Gerüche von damals. Im Sommer sind wir selten nach Hause gegangen, sondern haben in den Feldern geschlafen. Natürlich sagen viele Leute: "Ist der Lindemann bekloppt, der mag Roland Kaiser." Doch dafür schäme ich mich nicht, er nimmt einen großen Platz in meinem Leben ein.

Mit Till Lindemann und Peter Tägtren sprach Matthias Bossaller

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