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[TEXT] 2015 06 16 - Interview Till, weser-kurier.de
AlonsoДата: Понедельник, 22.06.2015, 12:46 | Сообщение # 1
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Mit Till Lindemann und Peter Tägtgren haben sich zwei Musiker zusammengetan, die ihre Passion für ebenso harte wie auch rabenschwarze Rockmusik mit der restlichen Welt teilen wollen. Der eine ist Sänger der deutschen Rockband Rammstein, die weltweit Erfolge feiert, der andere Kopf der legendären schwedischen Death-Metal-Combo Hypocrisy. Wenn diese beiden ein englischsprachiges Album machen, geht das nicht ohne ihren speziellen Humor ab. Zu gewaltigen Riffs und martialischen Rhythmen wird hier auf ironisch-provokante Weise über Themen wie Abtreibung, Körperkult, Drogen und Fetischismus gesungen. Lindemann gilt die unbedingte künstlerische Freiheit als höchstes Gut. Olaf Neumann hat mit Till Lindemann gesprochen.

Herr Lindemann, wollten Sie schon immer mal ein englischsprachiges Album machen?

Till Lindemann: Dass ich bei einem Projekt mit Peter englische Texte schreiben würde, war von Anfang an klar. Auch, damit wir uns deutlich von Rammstein abgrenzen. Am Anfang war das komisch, weil in meinem inneren Kreis niemand Englisch spricht und ich deshalb ein bisschen unsicher war.

Aber Peter hat mich die ganze Zeit ermutigt. Ich habe dann versucht, meine Art zu texten ins Englische zu übertragen, das bedeutet aber, dass man auch auf Englisch denken und Ideen entwickeln muss. Ich habe in der Zeit viele englische Bücher gelesen und Filme im Original geschaut. Deutsche Texte hätten bei dieser Zusammenarbeit keinen Sinn gemacht, die hätte Peter ja gar nicht verstanden.

Wer oder was hat Sie zu dem Song „Praise Abort(ion)“ (auf Deutsch: „Ein Lob auf die Abtreibung“) inspiriert?

Ein Freund von mir. Er hat sieben Kinder und ist ein bisschen unglücklich mit seiner Situation.

Ihre provokant-ironischen Texte erinnern zuweilen an Frank Zappa, der seinerzeit viel Widerspruch ausgelöst hat.

Das sehe ich als Kompliment. (zitiert singend Zappa) „Fuck me, you ugly son of a bitch“ / „Fick mich, du miserabler Hurensohn. Aber beklecker nicht das Sofa“. Zappa war alemanophil.

Hat Ihre radikale Sprache etwas mit Ihrer Herkunft zu tun? In der DDR durfte man ja als Andersdenkender den Mund nicht aufmachen.

Natürlich. In der DDR hat man mit der Zeit gelernt, wie man Menschen provozieren aber auch berühren kann. Dieses Werkzeug haben wir später auf Rammstein angewandt. Mittlerweile ist es für mich zu etwas ganz Normalem geworden, ich denke beim Texten gar nicht mehr darüber nach, ob etwas provozieren könnte.

Natürlich wurden wir in der DDR auch zensiert, man hatte jeden Text bei der Behörde vorzulegen, deshalb musste man ihn so geschickt formulieren, dass die offiziellen Stellen damit einverstanden waren. Schimpfwörter und antisozialistische Äußerungen galt es tunlichst zu vermeiden.

Warum haben Sie an Schimpfwörtern so viel Spaß?

Weil ich schon als Jugendlicher daran Spaß hatte. In der Schule wurde einem vermittelt, „Scheiße“ sagt man nicht. Dann hat man es erst recht getan. Das ist doch völlig menschlich. Glücklicherweise bin ich kein Banker und arbeite auch nicht in einem Büro. Deshalb können wir sagen was wir wollen, mit Ausnahme von Amerika vielleicht. Dort würde ich dafür möglicherweise in den Knast gehen.

Einmal wäre es fast so weit gewesen und man hätte sie inhaftiert.

1999 wurden mein Rammstein-Kollege Flake und ich in Rochester/USA wegen unanständigen Verhaltens verhaftet. Stein des Anstoßes war eine Szene aus dem Rammstein-Song „Bück Dich“. Darin simulierten Flake und ich mit Hilfe eines künstlichen Phallus Analsex.

Im Knast wurden wir normal behandelt, aber was ich dort gesehen, und wie ich mich dort gefühlt habe, war schon beängstigend. Ich kann mir etwas Besseres vorstellen als meine restlichen Tage in einer Zelle auf einer Holzpritsche zu verbringen.

Reisen Sie trotzdem noch gerne in die USA?

Das schon, aber bei der Einreise werde ich jedes Mal interviewt, weil ich seit dem Vorfall einen Eintrag in meiner Akte habe. Der wird dort auch bleiben bis ans Ende meiner Tage. Manche Beamten, denen ich bei der Einreisekontrolle diese Geschichte erzähle, fangen an zu lachen, andere fragen mich allen Ernstes, warum ich das alles mache und weshalb es überhaupt nötig sei, junge Menschen mit dergleichen zu konfrontieren. Ob ich denn kein Verantwortungsfühl hätte. Ich versuche ihnen dann zu erklären, dass es bloß ein Plastikdildo war und wir den Geschlechtsverkehr auf der Bühne nur gespielt haben.

Haben Sie den Ehrgeiz, das harte Genre neu zu erfinden?

Ich finde, man muss sich selbst immer wieder neu erfinden. Zum Beispiel haben wir bei manchen Songs auf dem neuen Album die Gitarren zurückgenommen zugunsten von Bass und Sequenzer. Wir arbeiten nicht nach einem Plan, wir schreiben einfach Songs.

Und zwar ganz entspannt und ohne Druck. Wir möchten die dunkle Welt mit unserer Musik ein wenig aufheitern. Vielleicht stoßen sich manche den Texten, aber ich finde sie vor allem lustig und in keiner Weise negativ oder verunglimpfend. Wenn man genauer hinschaut, wird man feststellen, dass sie nicht todernst gemeint sind.

Hat Ihr Album eine Botschaft?

Ich möchte keine Botschaften verkünden. Ich mag es, wenn die Hörer sich ihre eigene Meinung über die Songs bilden. Oft ist es genau das Gegenteil von dem, was ich mir dabei gedacht habe. Und das ist gut so. Ich wette, dass 90 Prozent der gängigen Interpretationen von Bildern oder Büchern falsch sind. Wer will heute wissen, wie Goethe sich wirklich gefühlt hat, als er vor 200 Jahren über Liebesqualen schrieb.

Lassen Sie sich zu Ihren Texten zuweilen von Lyrikern inspirieren?

Natürlich lese ich von Zeit zu Zeit Gedichte, aber beim Schreiben versuche ich eher, in meine Seele hineinzuschauen. Sie sagt mir, was ich schreiben soll. Früher habe ich versucht, mit Drogen meine Kreativität zu befeuern. Mit Rammstein haben wir anfangs so manche Session völlig stoned gespielt.

Es hat geholfen, aber immer nur für einen Moment. Im Delirium fängst du an, irgendwelches dummes Zeug zu schreiben. Schon am nächsten Tag ergibt das keinen Sinn mehr. Das einzige, was beim Schreiben hilft, ist Schmerz. Wenn ich leide, fliegen mir die Worte zu. Schreiben ist wie Method Acting. Ich versetze mich in bestimmte Situationen meiner Kindheit zurück und fange an zu weinen.

Auf Ihrer Facebook-Seite hat jemand Folgendes gepostet: „Till is love, Till‘s art is religion, Till is a lifestyle, Till is everything.” Was denken Sie, wenn Sie so etwas lesen?

Ich möchte dieses Mädchen treffen. Aber vielleicht hat es ja auch ein Ladyboy aus der Rotlicht-Szene von Bangkok geschrieben. Egal.

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