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[TEXT] Interpretationen – Mein Herz brennt
AlonsoДата: Пятница, 11.10.2013, 14:27 | Сообщение # 1
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„Nun liebe Kinder gebt fein Acht. Ich habe euch etwas mitgebracht.“ sind nicht nur zwei Zeilen aus Rammsteins Lied „Mein Herz brennt“ sondern tatsächlich der Begrüßungssatz des Sandmännchens, einer Kindersendung für die jüngsten Fernsehzuschauer, die kurz vor dem Schlafengehen noch eine kleine Geschichte erzählt bekommen. Seltsam genug, dass Till Lindemann für dieses Lied den Satz des westdeutschen Sandmännchens gewählt hat, hätte man doch hinter dem Arbeitstitel „Sandmann“ viel eher das ostdeutsche Pendant vermutet. Schließlich wäre „Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht soweit!“ auch passend gewesen.

Doch so sehr man mit den beiden Sandmännchen die unbeschwerte Zeit der Kindheit verbinden möchte, zeigt Lindemann auch in diesem Lied die dunklen Seiten. Die, bei denen man die Tür zum Kinderzimmer offen ließ und ein kleines Licht brennen musste. Betrachten wir die Welt, wie sie ist, so ist nicht jede Kindheit schön und ohne Sorgen. Die schlimmsten Dinge passieren in der Nacht. Schauen wir uns also diesen Text genauer an.

Mein Herz brennt
(Till Lindemann – Rammstein – Album Mutter)


Nun liebe Kinder gebt fein Acht

Die Einleitung beginnt mit der Begrüßung des Sandmännchens. Passt alle genau auf, was ich euch zu erzählen habe.

Ich bin die Stimme aus dem Kissen

Diese Zeile kann in zweierlei Hinsicht betrachtet werden. Wenn man sich auf ein Kissen legt und es ganz leise ist, hört man durchaus ein Rauschen, wenn man Angst hat sogar das eigene Herzklopfen, quasi eine Stimme. Gemeint sein könnte aber ebenso gut das eigene Gewissen.

Zum anderen kann die Stimme aus dem Kissen eine Anspielung auf das Monster unter dem Bett sein, was sich dort sehr gerne versteckt. Für viele Kinder eine sehr furchtbare Vorstellung.


Ich hab euch etwas mitgebracht

Hier folgt der zweite Teil des Begrüßungstextes des Sandmännchens. Immer zur guten Nacht bringt das Sandmännchen etwas mit. Alle Botschaften des Sandmännchens sind fröhlich und freundlich, die Geschichten positiv und mit gutem Ausgang. Eigentlich sollte man an nichts Schlimmes denken, doch die nachfolgende Zeile ist ernüchternd.

Hab es aus meiner Brust gerissen

Die Redewendung „sich das Herz aus der Brust reißen“ wird sehr gerne in Zusammenhang mit Liebe oder Liebeskummer gebraucht. Entweder reißt man sich das Herz heraus, weil man es dem geliebten Menschen schenken will. Man liefert sich dem anderen voll und ganz aus. Für die eigenen Kinder tun es die meisten Eltern sicherlich. Zum anderen verwenden Leute diese Redewendung, wenn sie unglaublich verletzt wurden, damit der Schmerz und der Kummer endlich nachlässt, will man sich am liebsten das Herz ausreißen, um nichts mehr spüren zu müssen. Wer nichts mehr spürt, kann selbst nicht mehr verletzt werden, anderen aber sehr wohl ungehindert Schmerzen zufügen.

Mit diesem Herz hab ich die Macht

Die Augenlieder zu erpressen


Diese Zeilen sind wirklich interessant. Das Herz erpresst den Blick. Wir wissen allerdings nicht worauf. Schauen wir aus Liebe zu oft weg oder ist hier sogar die rosarote Brille des Verliebtseins gemeint. Alles was wir mit dem Herzen tun, tun wir aus Liebe, egal ob es gut oder schlecht wirken mag. Aus Liebe ertragen wir viele Qualen, sehen weder Ungerechtigkeit noch Gewalt, tolerieren Unterdrückung und wir werden erpressbar.

Von der Form her ist „erpressen“ der erste unsaubere Reim in dieser Strophe. Diese Zeile ist die einzige, die sich nicht reimt. Alle anderen tun es. Eigentlich müsste hier ein Reim auf „gerissen“ stehen.


Ich singe bis der Tag erwacht

In der Nacht hört man nur die eine Stimme. Das ist die Zeit des Sandmanns, der seine Lieder und Geschichten erzählt. Am Tage hat er keinen Einfluss.

Ein heller Schein am Firmament

Der helle Schein am Firmament ist zugleich Anfang und Ende der Nacht. Mit dem Aufgang des Mondes beginnt die Herrschaft des Sandmanns und mit dem Aufgang der Sonne endet sie.

Mein Herz brennt

Ein brennendes Herz als Symbol für die heiße Liebe? Viel bekannter ist die Redewendung „Mir brennt etwas auf der Seele“. Diese wird allerdings verwendet, wenn einem etwas sehr wichtig ist, was erledigt werden muss und man hierzu die Hilfe oder die Zustimmung eines anderen benötigt. Ein brennendes Herz könnte für eine entsprechende Herzensangelegenheit stehen, eher durch Gefühle und Lust motiviert. Dies kann sowohl für positive als auch negative Emotionen stehen. Im Herzen verbinden sich Freude und Leid zu gleichen Teilen.

Oder aber, diese Zeile ist einfach der Leidenschaft zur Pyrotechnik geschuldet. Nicht undenkbar.


Sie kommen zu euch in der Nacht

Dämonen Geister schwarze Feen


Auf den ersten Blick scheinen sich diese zwei Zeilen wieder an die Kinder zu wenden. Doch betrachtet man sie etwas genauer, wenden sie sich an jeden von uns. In der Nacht, wenn wir alleine im Bett liegen oder im Zimmer sind, kommen sie. Die Dämonen und Monster, vor denen wir uns in der Kindheit gefürchtet haben. Als Erwachsene kommen die Dämonen in Form von Ängsten, furchtbaren Erinnerungen und Zweifeln.

Sie kriechen aus dem Kellerschacht

Früher war der Keller eine große gruselige Höhle. Dort war das Licht anders, der Geruch und die Geräusche. Im untersten Teil des Hauses wohnen die gefährlichsten Wesen, dort liegen und schlafen die schlimmsten Geheimnisse. Wenn das Böse einen Platz im Haus hat, dann im Keller und nur in der Nacht, wenn es im gesamten Haus genauso finster ist, wie im Keller, kommt es hinauf. Die Wesen der Nacht steigen ganz langsam hoch bis in die oberen Zimmer.

und werden unter euer Bettzeug sehen

Und sie finden uns. Auch wenn wir uns noch so sehr an die Wand drücken und unter der Bettdecke verstecken. Sie schauen sowieso darunter, jagen uns eine Heidenangst ein oder erwischen uns vielleicht bei Dingen, die wir so gar nicht tun sollten.

Nun liebe Kinder gebt fein Acht
Ich bin die Stimme aus dem Kissen
Ich hab euch etwas mitgebracht
Ein heller Schein am Firmament
Mein Herz brennt

Sie kommen zu euch in der Nacht


Hier ist nicht ganz klar, wer mit dem „sie“ tatsächlich gemeint ist. Doch sehr wahrscheinlich sind in diesem Fall Träume und Sehnsüchte gemeint. Alle jene Dinge, die uns in der Nacht gewollt oder ungewollt durch den Kopf gehen. Sogar heimsuchen.

Und stehlen eure kleinen heißen Tränen

Heiße Tränen vergießt man tatsächlich nur aus Schmerz. Wenn es wirklich weh tut und man bitterlich und herzzerreißend weint. So sind in der vorhergehenden Zeile doch eher die schlimmen Dinge gemeint, nicht die Sehnsüchte.

Sie warten bis der Mond erwacht

Der Mond erwacht erst, wenn es draußen dunkel und damit Nacht ist. Tagsüber verstecken wir unseren Schmerz, sei er seelisch oder gar körperlich. Abends und nachts lassen wir aber der Trauer und dem Leiden freien Lauf.

Und drücken sie in meine kalten Venen

Mit den Tränen des Schmerzes und Leids hauchen wir unseren Ängsten und Erinnerungen wieder Leben ein. In unseren Köpfen läuft der entsprechende Film ab. Der Dämon erwacht zum Leben und nährt sich von unseren Empfindungen, die wir mit Tränen zum Ausdruck bringen. Vielleicht meint Lindemann sogar den Sandmann selbst, der sich daran labt, wie die Kinder sich durch die Nacht quälen. Schließlich bringt er auch den Schlaf und damit so manchen Albtraum.

Nun liebe Kinder gebt fein Acht
Ich bin die Stimme aus dem Kissen
Ich singe bis der Tag erwacht
Ein heller Schein am Firmament
Mein Herz brennt


Lindemann führt uns in diesem Text etwas hinters Licht und dreht bekannte Dinge geschickt um. Vermutet man hinter den Zeilen des wohlbekannten Kinderliedes etwas Freundliches und Harmloses, so wird man schon ab der 4. Zeile eines besseren belehrt. Das Lied ist ein schönes Wechselspiel zwischen unser aller Gestern und Heute. Auch wenn wir älter werden und wissen, was hinter den Dingen steht, verlieren wir nicht alle unsere Ängste. Viel mehr verändern sie sich, sie werden zu unseren persönlichen Dämonen, die uns hin und wieder besuchen und quälen, uns die Tränen in die Augen treiben.

Doch die Gefühle und das, was uns bewegt, bleiben ein Leben lang. Begleitet uns sogar, wie die Kindheitserinnerungen selbst. Und wenn wir alle ganz ehrlich zu uns sind, dann wissen wir, dass einige Ängste mit uns erwachsen geworden sind.

Tatsächlich glaube ich, dass es in diesem Songtext keine Chiffren gibt. Damit kann ich auch vollständig daneben liegen. Allerdings sind diese Zeilen in sich sehr schlüssig und kaum etwas verleitet einen anzunehmen, dass sich hinter all dem etwas vollständig anderes verbirgt. Angst ist und bleibt unser Begleiter.

Eine weitere Interpretation von „Mein Herz brennt“ gibt es auch bei Dani von spiegelwelten.ch – wir wollten einmal ein und denselben Text anschauen. Wo liegen Gemeinsamkeiten, an welchen Stellen gehen die Betrachtungen unterschiedliche Wege? Das wollten wir ausprobieren. Interessant, wie er diesen Song sieht.


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