[ Новые сообщения/New messages · Участники/Members · Правила форума/Forum Rules · Поиск/Search · RSS ]
Страница 1 из 11
Forum » RAMMSTEIN OFFICIAL & INTERVIEW » Made in Germany » [TEXT] 2015 03 24 - Interview Flake, freiepresse, Germany
[TEXT] 2015 03 24 - Interview Flake, freiepresse, Germany
AlonsoДата: Вторник, 24.03.2015, 18:51 | Сообщение # 1
Ex-moderator [2010-2016]
Группа: Site friend
Сообщений: 7643
Статус: Off Clan


Rammstein-Keyboarder: "Die Stasi war für uns keine Gefahr"
Flake Lorenz über seine besondere Beziehung zur DDR, die Fallen eines wechselhaften Reichtums und sein Stottern
Berlin. Christian "Flake" Lorenz hat mit "Der Tastenficker" eine ungewöhnliche Autobiografie geschrieben: Um Musik geht es bei dem Musiker, immerhin einer der erfolgreichsten seiner Art, nur am Rande: Warmherzig wie saukomisch, tiefsinnig wie schrullig erzählt der 48-Jährige Berliner, der mit Otto Grotewohls Urenkelin Jenny Rosemeyer verheiratet ist, von seiner Jugend in der DDR. Sein Motto: "Alle fanden das System scheiße und haben mitgemacht. Bei mir war es umgekehrt!" Tim Hofmann hat mit dem Rammstein-Keyboarder gesprochen.

Freie Presse: Sie haben mal gesagt, dass Sie Sich in Ihrem Leben noch keine 15 Minuten angestrengt hätten. Wie schreibt man ohne Mühe ein Buch?
Flake: Anstrengend war es wirklich nicht. Im Prinzip habe ich einfach den Laptop aufgeklappt und das Buch mehr oder weniger in einem Stück runtergeschrieben. Immer wenn ich Zeit hatte, habe ich die letzten Zeilen nochmal gelesen und weiter gemacht. Ich lese viele Musikerbiografien, und es hat mich immer gestört, wenn es fast nur darum ging, was für geile Einfälle alle hatten. Das zeichnet ja kein Bild von den Typen. Also dachte ich, es ist besser, eher was von meinen Ansichten und Meinungen zu schreiben.

Nennen Sie deswegen kaum Namen? Selbst das Wort "Rammstein" kommt nur einmal vor...
Man muss ja jeden, den man namentlich nennt, um sein Einverständnis fragen. Da hatte ich dann ein paar, die ich hätte nennen können, viele andere nicht. Dann bekommen aber die, die man nennt, eine besondere Wichtigkeit. Und die, die nie nicht genannt sind, fragen, warum sie nicht genannt sind… also hab ich einfach alle weggelassen.

Was zur Folge hat, dass in dem Buch nicht durchkommt, dass die Band Ihnen wichtig ist. Es wirkt, als sei es Ihnen angenehm, dabei zu sein - aber daran aufrichten können Sie sich nicht?
Das wäre ja auch sehr traurig. Das hieße ja, dass mein normales Leben sinnlos wäre, wenn ich mein Selbstbewusstsein daraus ziehen müsste, Mitglied der Band zu sein. Ich bin stolz darauf, dass ich nie was gemacht habe, was meinen Grundeigenschaften widerspricht. Ich bin mir nie untreu geworden und habe nie einem Menschen geschadet. Darauf bin ich stolz, weil das genau mein Verdienst ist. Dass Rammstein so erfolgreich geworden sind, hängt aber mit unglaublich vielen Faktoren zusammen, mit denen ich gar nichts zu tun habe. Also erzähle ich lieber von den anderen Sachen.

Sie werfen im Text oft Gedanken ein wie den, dass im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge mindestens so schlimm sind wie Mauertote. Warum handeln sie das so vergleichsweise knapp ab?
Das sind Gedanken, die ich loswerden wollte, ohne sie zu sehr auszuwalzen. Als ich das schrieb, war gerade der 25. Jahrestag des Mauerfalls, und es wurde viel über die Mauertoten gesprochen. Da fehlt mir manchmal die Relation. Ich verstehe nicht, warum man sich über die vielen Toten im Mittelmeer nicht mindestens genauso aufregt.

Ein anderer Nebengedanke ist, dass die Stasi in der Kulturszene nicht so schlimm war ...
Ich schreibe in dem Buch immer wieder ausdrücklich, dass es ausschließlich um meine Erfahrungen und Empfindungen geht. Und bei den Bands in meinem Freundeskreis, Freygang, Feeling B, Ichfunktion - da war kein einziger, der durch die Stasi Schwierigkeiten hatte. Die Stasi haben wir relativ schnell enttarnt als eine völlig unsinnige, uneffektive Institution. Jeder wusste doch, dass die Stasi dabei war, davon ist man bei jedem Punkkonzert ausgegangen, und man hat die ja auch genau erkannt. Das war für uns keine Gefahr.

Sie schreiben an einer Stelle, dass ihre Schwäche immer das Neinsagen ist und ihr Glück war, dass Sie von der Stasi nie gefragt wurden ...
Ich fürchte, ich hätte mitgemacht. Ein Freund von mir war im Knast und wurde gefragt: Willst du raus? Musst nur hier unterschreiben. Also, ich hätte auch unterschrieben. Viele Bands hätte es ja gar nicht gegeben, wenn die Musiker nicht bei der Stasi gewesen wären. Die Firma mit Texten wie "Verweigert Wehrdienst, verweigert Waffentragen" hätte es nie gegeben. So gesehen hat die Stasi ihren eigenen Untergang befördert. Das wollte ich mal klar sagen. Diese Mengen an sinnlosen Informationen konnte doch logischerweise auch kein Mensch mehr auswerten. Die haben sich doch selbst erdrosselt.

Obwohl Sie keiner Ostalgie anhängen, ist Ihnen die DDR immer noch sehr wichtig?
Ich werde wirklich sehr oft angegriffen wegen meines DDR-Bildes. Damit kann ich leben - aber die Argumente kann ich oft nicht nachvollziehen. Eines ist: Die DDR hat nicht funktioniert. Das muss ja nicht am System liegen! Ich denke, es hat nicht geklappt, weil die Idee hinterm System gut war - und damit erst einmal nur zu schwierig.

Was zu ihrem DDR-Bild gar allerdings nicht passt, ist Ihre strikte Armee-Verweigerung. Wie haben Sie das geschafft?
Das war nackte Angst, ich habe wirklich um Leib und Leben gefürchtet. Mein Bruder war bei der Armee, und der hat Geschichten erzählt, die waren sehr abschreckend. Ein Typ wie ich, der schon auf dem Schulhof immer in der Mülltonne landete, der kann sich ja vorstellen, was dann dort mit ihm passiert. Bei mir war das eine absolute Grenze. Ich kann das rational jetzt gar nicht mehr begründen, aber ich bin auch sehr stur. Ich hatte dann einmal gesagt, ich gehe nicht, und dabei blieb es auch!

Der Gedanke an eine Ausreise ist Ihnen aber nie gekommen?
Nie. Ich hatte so viele Freunde, die drüben auch nicht froh geworden waren, das hat mich tief betrübt. Hier waren wir die Kings im Kiez, immer Party, und dort haben sie nur noch von Geld geredet - wieviel Miete, wieviel Sozialhilfe - statt vom Musikmachen. Abgesehen davon, dass 95 Prozent dann wieder zurückgezogen sind, habe ich wirklich keinen getroffen, der das gemacht hat, was er im Osten machen wollte, als er in den Westen gegangen ist.

Der Umgang mit Geld scheint Ihnen selbst ja nie eine wirkliche Freude gewesen zu sein...
(lacht) Ich gehe schon gern mit Geld um. Aber ich hab halt so meine Schwierigkeiten damit. In der DDR hat die Lebenshaltung im Prinzip nichts gekostet, und als das anders wurde nach dem Mauerfall, habe ich manchmal plötzlich sehr viel Geld bekommen, dann aber wieder länger nichts. Damit bin ich überfordert. Wenn ich dann noch schlau sein und Geld verdienen wollte, ging das meistens schief.

Sie scheinen ja große Summen verloren zu haben, man denkt beim Lesen ständig: Junge, mit etwas mehr gesundem Menschenverstand hätte das doch nicht sein müssen. Bereuen Sie manchmal ihre Naivität?
Es ist vorbei, und ich weiß, wenn ich mich darüber ärgern würde, würde es mir nur schlecht damit gehen, Klingt jetzt so bekloppt buddhistisch, aber so ist es nun mal. Es wird auch wieder passieren, weil ich nach einer gewissen Gesetzmäßigkeit immer in jede Falle tappe, die mir gestellt wird. Das Wichtigste dabei, und ich hoffe, das kommt raus bei dem Buch, ist, sich nicht zu ärgern!

Sie haben in der Band ja alle plötzlich viel Geld gehabt. Thematisiert man das da nicht?
Ja, aber grundsätzlich hatten wir ja am Anfang alle das gleiche Problem. Vor allem, was das Thema Verborgen angeht. Da haben wir alle unsere Leichen im Keller: Große Summen an vermeintliche Freunde für ein Superprojekt. Alle haben unverhältnismäßig große Summen durch Verborgen verloren. Die allermeisten haben das jetzt aber im Griff. Aber was weg ist, ist weg. Und es war ja meine Schuld, ich habe es ja gegeben. Es wurde mir ja nicht geklaut.

Wie schaffen Sie es stattdessen, sich so sehr an ganz kleinen Dingen zu erfreuen?
Weil das die Momente sind, die das Leben wirklich schön machen. Ich habe mal gelesen, dass wenn man sich etwas Teures kauft, das Glücksgefühl darüber nur ein paar Wochen anhält. Dann hat das Gehirn sich daran gewöhnt. Aber wenn man etwas erlebt, dann bleibt die Erinnerung, das Glücksgefühl geht dann nicht weg.

Ist es das, was Sie Ihren Kindern mitgeben wollen?
Ja. Aber meine Erziehung beruht vor allem auf Vorbildwirkung, ich lebe das Leben vor, ohne das groß zu kommentieren. Das wirkt am besten. Meine Kinder merken, ich bin entspannt. Ich schimpfe nie, weil ich immer gute Laune habe. Und dann bekommen sie automatisch auch gute Laune. Egal was man macht, Kinder merken sehr genau, wenn jemand angespannt ist, unter Druck steht oder genervt ist. Ich bilde mir ein, dass wenn ich entspannt bin, das auf die Kinder abfärbt.

Neu dürfte vielen Fans sein, dass Sie stottern. Im Buch klingt das einerseits beiläufig, andererseits sehr offen an...
Ich habe vor einem halben Jahr ein Interview mit dem Grafen von Unheilig dazu gesehen, und habe mich dann entschieden, das mit reinzuschreiben. Es hat mich ermuntert, darüber zu sprechen. Wir hatten zwar auch persönlich schon mal geredet, aber nicht darüber. Ich wusste es auch lange nicht, er hat das gut gelöst. Bei mir kommt und geht es nach Kriterien, die ich nicht erkennen kann.

Sie sind aber auch kein Sänger. Haben ihre Bands sie da geschützt?
Auf jeden Fall. In der Band bin ich immer ein Teil von Rammstein, und Rammstein stottert nicht. Wir sind alle befreundet, und ich wurde da auch immer aufgefangen und unterstützt, so dass ich mir in der Öffentlichkeit nie einen Kopf machen musste deswegen

Erstmal sprechen Sie auch Ihre Alkoholprobleme an. Inwiefern war Alkohol ein Kitt, der Sie in der Bandszene gehalten hat?
Es gab sehr viele schöne Momente, in denen wir getrunken haben und ich mich einfach nur glücklich gefühlt habe. Das habe ich mich aber nicht getraut ins Buch zu schreiben, das wäre eine Verherrlichung gewesen. Als Nichttrinker bei Feeling B hätte ich nicht überlebt (lacht). Ich habe aus Lebensfreude getrunken, nie aus Frust. Es war einfach geil, so in der Band zu sein. Traumhaft.

Источник
 
Forum » RAMMSTEIN OFFICIAL & INTERVIEW » Made in Germany » [TEXT] 2015 03 24 - Interview Flake, freiepresse, Germany
Страница 1 из 11
Поиск: